Podcast-Special: Eugen Salomon - Geschichte eines Nullfünfers I Folge 2
Shownotes
Wegbereiter, Präsident, Finanzier – all das war Eugen Salomon für Mainz 05. Mit nur 17 Jahren wird er kurz nach der Gründung des Vereins zum Präsidenten gewählt. Er ist einer von vielen jüdischen Menschen, die bis 1933 daran beteiligt waren, den Fußball in Deutschland groß zu machen. Für sie alle gab es im Fußball Freiräume und gesellschaftliche Anerkennung. Bis sich 1933 alles änderte, auch für Eugen Salomon.
Wie hat Eugen Salomon den Verein in seiner Anfangszeit geprägt? Wohin ging er mit seiner Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten – und warum dauerte es so lange, bis in Mainz an ihn erinnert wurde? Als 05 Inside-Special folgt der Podcast „Eugen Salomon – Geschichte eines Nullfünfers“ den Spuren des ersten Präsidenten von Mainz 05.
Folge 2 erzählt, wie sich der deutsche Fußball nach 1933 an das nationalsozialistische Regime andiente. Und was geschah, nachdem Eugen Salomon 1933 Deutschland verließ.
Mit Hedwig Brüchert, Nils Friedrich, Serge Salomon und Henry Wahlig. Produktion: Hanna Kopp Redaktion: Mike Dornhöfer und Thomas Schmidt Musik: Fabian Limberger und Hanna Kopp
Ein Angebot der VRM.
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00:00:12: Ich weiß gar nicht, wobei das denn... Ab den zwanziger Jahren findet man dann eben Eugen Salomon im Adressbuch und die ganze Familie wohnte hier.
00:00:20: Dann gibt es als nächstes den Eintrag in der Auswanderungsliste dass Eugen-Salomon mit seinen beiden Söhnen und seiner Frau schon neunzehnhörtreiunddreißig wieder nach Frankreich gegangen ist.
00:00:37: Es war ja so Bis zum Jahre dreißig, ja das linke Rhein-Uwe und eben auch meins Französisch besetzt war.
00:00:45: Und in dieser Zeit konnte die NSDAP nicht so richtig Fuß fassen hier als die Franzosen dann vorzeitig abzogen.
00:00:54: erst ab dem Jahr dreizig konnten die Nazis dann offen auftreten.
00:01:00: Sie haben natürlich sie wohnten ja mitten in der Stadt in der Bobstraße sie haben natürlich die Nazi Aufmärsche miterlebt.
00:01:06: kann es sein dass sie einfach da schon Ahnten, dass es für Juden in Deutschland nicht mehr sicher sein würde.
00:01:49: Sie trugen den Sport in die Öffentlichkeit wie Walter Bensemann, der den Kicker gründete.
00:01:55: Und sie schufen Vereinsstrukturen sowie Eugen Salomon – Präsident von Mainz Null Fünf.
00:02:01: Für sie alle gab es im Fußball Freiräume und gesellschaftliche
00:02:05: Anerkennung.".
00:02:07: Das erzählt Folge eins dieses Podcasts.
00:02:10: Dann kam das Jahr nineteenhundertdreiunddreißig und alles änderte sich auch in Mainz!
00:02:18: Ja, wir befinden uns jetzt hier im Forum der Universität in Mainz.
00:02:22: Und hier lag bis zu den thirty-eighths das Stadion am Fort Bing, dass in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges so die sportliche Heimat von Mainz ne Fünf gewesen ist und Der Platz hatte anfänglich dann auch eine Tribüne bekommen Die gebaut wurde aus Holz mit Umkleiden und Sitzmöglichkeiten für die Zuschauer.
00:02:44: und man war auch schon interessiert eben dieses Gelände immer weiterzuentwickeln und auch größer zu machen.
00:02:52: Als Eugen Salomo nach dem Ersten Weltkrieg zurück nach Mainz kommt, zieht es ihn zurück zum Fußball.
00:03:00: Er investiert in die sportliche Heimat seines Mainzer Vereins.
00:03:04: Dank ihm bekommt das Stadion am Fortbing die Tribüne von der Mainz-Null-Fünf-Fan Nils Friedrich erzählt.
00:03:11: Auf genau dieser Tribüne stehen dann, neunzehnhundertzweiunddreißig zahlreiche Menschen Und ein Mann betritt das Stadion, der schon bald Juden und Jüdinnen in ganz Europa systematisch verfolgen lässt.
00:03:26: Auch Eugen Salomon!
00:03:29: Adolf Hitler war ja zwei Mal in Mainz.
00:03:31: Einmal hat er in der Stadthalle einen Auftritt gehabt und im Jahr neunzehneuzeinunddreißig war er eben hier am Fort Bing gewesen, wo er dann auch zwanzig bis fünfzwanzigtausend Menschen angelockt hat.
00:03:41: und was man so der Zeitung von damals entnehmen kann das muss zu einer gewissen Diskussion innerhalb des Vereins auch geführt haben weil sich der Verein dann genötigt gesehen an dem Tag der Veranstaltungen auch in der Zeitungen mal zu erklären dass man eine politische Neutralität hat was eben in meinen Augen so auch deutlich ein Idiz dafür ist, dass nicht jeder sich darüber gefreut hat.
00:04:01: Aber das es eben auch Fürsprecher für diese Veranstaltung gegeben
00:04:04: hat.".
00:04:06: Dann der dreißigste Januar, nineteenhundertdreiunddreißig Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler.
00:04:16: Die bereits in der Weimarer Republik ausgehüllte Demokratie wird nun von den Nationalsozialisten Schritt-für-Schritt zerstört.
00:04:25: Waren jüdische Menschen davor maßgeblich an der Entwicklung des deutschen Fußballs beteiligt, ändert sich das nun", sagt Sporthistoriker Henry Walik.
00:04:49: von Seiten des NS Regimes.
00:04:50: Das wird nachher immer so korporiert, dass die Sportvereine sagen wir wurden ja gezwungen.
00:04:54: das ist definitiv nicht so.
00:04:57: aber man ahnt schon die scheinen viel zu ändern und man muss sich irgendwie diesem System anpassen wenn man weiter eine Vorteile nutzen will.
00:05:04: also sind viele Vereine und Verbände in voraus einem Gehorsam sehr schnell dabei, sich auf das neue System anzupassen um sich anzuziehen und zu zeigen hier wir sind aber auf eurer Linie.
00:05:15: Und wir wollen bloß wenn ihr jetzt demnächst das Sportsystem ändert wollen wir weiter oben mit dabei
00:05:21: sein.".
00:05:22: Diese Anpassung an die Politik der Nationalsozialisten wird oft mit dem Begriff Gleichschaltung beschrieben.
00:05:28: Also Gleich- schaltung impliziert ja so dass von außen jemand gekommen ist und Organisationen für eine mehr oder weniger gezwungen hat gleichzuschalten.
00:05:38: Ich würde eher den Begriff der Selbstgleichscheitung nutzen, weil die Vereine eben selbst aktiv das getan haben und sich auf Linie gebracht haben.
00:05:47: Und da sind es im Prinzip drei Elemente, die die Sportvereine-Sportverbände sehr schnell anpassen.
00:05:55: Das erste ist die Aufgabe der parteipolitischen Neutralität.
00:06:00: Hitler wird sehr schnell gratuliert, dass er Erreichskanzler ist.
00:06:03: Und da sind eben immer mehr Vereine offiziell dabei, das man mit der SA, mit den SS-Partnerschaften eingeht, dass man schon unmittelbar zur Wahl der NSDRP aufruft.
00:06:12: Dann der zweite Punkt für uns ganz entscheidend, dass wir irgendwelche Form von Ariabestimmungen sehr schnell im Laufe des Jahres und seit § Thirty in seine Statuten aufnimmt oder zumindest wenn man es auch nicht offiziell tut in seinen Satzungen Aber irgendwie seine jüdischen Mitglieder hinausdrängt.
00:06:29: Da gibt es die unterschiedlichen Umsetzungsformen.
00:06:33: und der dritte Punkt noch gesagt, die demokratischen Prinzipien werden einfach so by the way über Wort
00:06:38: geschmissen.".
00:06:39: Im Südwesten von Deutschland werden diese Ausschlüsse am neunten April nineteenhundertdreißig konkret.
00:06:46: Vierzehn Fußballvereine verabschieden eine gemeinsame Resolution – Die sogenannte Stuttgarter Erklärung.
00:06:54: Darin stellen sie sich der neuen Regierung, so heißt es, freudig und entschieden zur Verfügung.
00:07:01: Sie zeigen sich bereit gemeinsam mit den neuen Machthabern jüdische Menschen aus dem Verein hinaus zu drängen – Vereine aus Stuttgart und Karlsruhe unterzeichnen.
00:07:12: Eintracht Frankfurt ist dabei!
00:07:14: Der erste FC Nürnberg Bayern München und der erste FC Kaiserslautern.
00:07:20: Mainz Null Fünf und Wormatia Warms unterzeichnen die Erklärung nicht.
00:07:25: Könnte mir jetzt darauf deuten, dass das vielleicht irgendwie ein gewisses Ungehorsam ist, dass man damit nicht einverstanden ist?
00:07:31: Meine Vermutung ist allerdings viel profaner und einfacher.
00:07:35: Wormatsia Warmes und Mainz-N-Fünfern am Wochenende oder genau an dem Tag gegeneinander gespielt und hatten vermutlich einfach nicht die personellen Ressourcen dort jemand zu dieser Tagung schicken und dann im Zweifel auch dort unterschreiben.
00:07:49: Wenige Monate später kommt es auch in Mainz, so würde es Henry Walik sagen zur Selbstgleichschaltung.
00:07:57: Da
00:07:57: kommt's im August zu einer Mitgliederversammlung in Mainze wo das Führerprinzip angewendet wird.
00:08:03: In Sportvereinen mit dem sogenannten Führerinzip wird nicht mehr demokratisch gewählt.
00:08:08: Ein Vereinsführer und der Vorstand werden einfach bestimmt.
00:08:13: Die Strukturen sind autoritär und hierarchisch durchorganisiert.
00:08:17: relativ zeitnah nach dieser Versammlung findet ein Freundschaftsspiel gegen Rot-Weiß Frankfurt statt hier am Fortbingen und erstmal haben schon alle Menschen, die in der Uniform von SS oder vom Stahlhelm kommen freien Eintritt bekommen.
00:08:31: Die Mannschaft läuft da das erste Mal mit einem Trikot auf wo das Hakenkreuz auf der Brust zu sehen ist.
00:08:37: Nach dem Spiel gibt es noch hochdramende Reden.
00:08:39: Es wird gemeinsam das Horst Wessel Lied gesungen.
00:08:43: Der Tag endet dann mit einem dreifahren Siegheil auf Fußball, Mainz Nr.
00:08:47: V und Vaterland.
00:08:49: Das sind so sicherlich aus den ersten Tagen gleich die eindrüppeligsten Beispiele wo auch direkt in die Vollen gegangen wird.
00:08:58: Man kann es ja nicht deutlicher machen als mit dem Hakenkreuz auf dem Trikot aufläufen und so wird sich das dann auch die nächsten Wochen und Monate fortgezogen
00:09:06: haben.
00:09:09: Wenn man jetzt Sagt, was soll das denn?
00:09:13: Jetzt guckt man auch noch, dass Sportvereine gemacht haben.
00:09:16: Das ist doch im Umfeld der ganzen Ausgrenzung von Juden eigentlich nur ein Detail gewesen.
00:09:22: Dann kann man sagen ja natürlich gab es auch behördliche Ausgrenzungen Gesetze die verändert worden sind aber dieser Punkt ist doch so wichtig und ist eine nicht zu unterschätzende Etappe die letztlich irgendwann in Ausschwitz und in der Vernichtung dieser Menschen mündet weil ich hier und das haben uns Zeitzeugen auch noch gesagt, dass erste Mal vor Ort für viele Menschen konkret sichtbar geworden ist.
00:09:48: Ich werde ausgegrenzt, ich gehöre nicht mehr dazu, ich bin nicht mehr Teil dieser
00:09:52: Gemeinschaft.".
00:09:52: Und da wurden also die Grenzen der Volksgemeinschaft ganz unmittelbar, ganz sichtbaverschoben – und das war im Kopf glaube ich für viele Deutsche schon sichtlich, dass sie ab diesem Zeitpunkt verstanden haben Die gehören aber nicht mehr dazu, die sind jetzt nicht mehr Teil unserer Gemeinschaft.
00:10:07: Und das war eben leider von den Vereinen und von den Verbänden selbst impliziert und Zeit eben noch mal runtergebrochen.
00:10:15: Der Nationalsozialismus war nicht so ein System wo alles von oben nur befohlen wurde und wo wir zu allem gezwungen wurden sondern ganz viele Gruppende Bevölkerung haben dem Führer entgegen gearbeitet.
00:10:27: es wäre zweifels ohne rechtlich möglich gewesen dass Vereine sagen Wir tun das nicht oder auch das Mitglieder sagen, wir lehnen uns dagegen auf.
00:10:37: Das lassen wir nicht mit uns
00:10:38: machen.".
00:10:39: Und da haben wir bis auf wirklich ganz, ganz wenige Beispiele in ganz Deutschland null Belege für dass die bisherigen Vereinsmitglieder sagen das lassen wir und sich damit machen.
00:10:51: Der bleibt unser Teamkollege, der bleibt unser Freund.
00:10:54: Ich habe einen Brief den ich da ganz prägnant finde wo dann sogar jemand seinem Vereinstkamera im jüdischen schreibt Ja, der Vereinsführer hat das ja jetzt angeordnet.
00:11:04: Da kann man ja nichts machen und wir können uns trotzdem dann doch mal privat noch irgendwo wieder treffen...
00:11:13: Ja!
00:11:16: Er
00:11:19: war noch Vorsitzender des Spielausschusses und als es dann im Frühjahr, in der dann auch gewählt werden sollte, ist er vermerkt, dass er da nicht mehr kandidiert.
00:11:31: Warum er das nicht mehr getan hat weiß man nicht und könnte mir jetzt natürlich im Hinblick auf die Macht übernahme der Nationalsozialisten auch darauf schließen, dass das vielleicht deswegen passiert ist... Dieses Unheil schon hat irgendwie kommen sehen, dass auch dieser Ausschluss der jüdischen Mitglieder sicherlich im Raum und er verlässt ja dann auch schon wenige Wochen Monate später auch Mainz wieder.
00:11:55: Es war ja so das die Familie seiner Frau in Lothringen lebte.
00:11:59: Das ist wieder die Mainzer Historikerin Hedwig Brüchert
00:12:03: Und sie sich natürlich dann in Lodringen sicherer fühlten, dass er zu Frankreich gehörte als in Deutschland.
00:12:12: Ob er auch schon bedroht worden war, er fürchtete dass er sein Geschäft nicht weiterführen kann.
00:12:19: Weiß ich nicht oder ob er wirklich so hellsichtig war das er das voraus gesehen hat, dass alle jüdischen Unternehmen dann eben
00:12:25: auch
00:12:26: irgendwann übernommen und enteignet werden.
00:12:30: Das kann man nichts sagen.
00:12:32: aber Ich denke der Aufenthaltsort in Lotringen, wo sie ja nicht reine Fremden waren.
00:12:39: Sondern vorher schon früher gelangen mit dem Schwiegervater zusammen dort eben gearbeitet hatte, in dessen Textil unternehmen.
00:12:48: das war für sie einfach ein sicherer
00:12:50: Ort.".
00:12:51: Die Familie Salomon geht also nineteenhundertdreißig zurück nach Lotring.
00:12:56: Das liegt kurz hinter der deutsch-französischen Grenze.
00:13:00: Eugen steigt dort wieder in das Geschäft seines Schwiegervaters ein.
00:13:04: In Deutschland wird in den kommenden Jahren der Sport und der Fußball nationalsozialistisch durchorganisiert.
00:13:11: Die antisemitische Politik verschärft sich, zeitweise können Juden und Jüdinnen noch im eigenen Vereinen-Sport treiben.
00:13:19: In Mainz gibt es zwei solcher Vereine – der Sportclub Hakua Mainz und Schild Mainz.
00:13:26: Viel bekannt ist über diese Clubs aber
00:13:28: nicht.".
00:13:29: Auf der einen Seite müssen wir sagen das ist klar erzwungenermaßen Zehntausende von Juden-Jüdinnen werden aus ihrem bisherigen Sportverein ausgeschlossen.
00:13:39: Die haben ihre soziale Heimat verloren, die können nichts mehr machen und notgedrungen müssen sie jetzt in die kleinen schon bestehenden jüdischen Sportvereine eintreten, die von unzerdreien dreißig eine absolute Randrolle gespielt haben.
00:13:53: Umgekehrt wenn wir mal die Binnensicht ins jüdische Leben sehen dann sind diese Vereine wirklich in den neunzehn dreißiger Jahren, also während den ersten fünf Jahren der NS Machtherrschaft ganz, ganz wichtige Gruppen um jüdisches Selbstbewusstsein zu demonstrieren.
00:14:13: Um jüdischen Alltag zu gestalten und Mit dem neunten November, endet dieses Zeitalter völlig und ab jetzt beginnt wie in vielen anderen Gesellschaftsbereichen auch die unmittelbare physische Verfolgung von Jüdinnen und Juden.
00:14:30: Ab jetzt wird auch jegliche Betätigung von außen auf Sportplätzen usw.
00:14:35: für Juden verboten.
00:14:38: Während der November-Pokrome zünden Nationalsozialisten Synagogen an, zerstören jüdische Geschäfte Jüdische Menschen werden verhaftet und mishandelt.
00:14:50: Für Historikerinnen markieren die Novemberpokrome eine Zäsur, die seit nineteenhundertdreißig betriebene Diskriminierung und Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung geht nun in die systematische Verfolgung und Ermordung über.
00:15:04: Dann, neunzehnhundneinunddreißig, überfällt Deutschland Polen – der Zweite Weltkrieg bricht aus!
00:15:11: Die Familie Salomon in Lodring muss erneut aufbrechen.
00:15:16: Also die Familie musste nach Kriegsbegehen das Gebiet an der Grenze verlassen, weil die Franzosen Angst hatten dass sie Deutschen da eben einmarschieren und die wurden alle nach Zentral Frankreich umgesiedelt aus dem Grenzgebiet weg.
00:15:31: Deutsche Wehrmacht ist nur seit vierzig mal Juni sehr schnell vorgerückt und Frankreich hat praktisch Waffenstillstand geschlossen und hatte ja dann eine Regierung die eben mit Hitler Deutschland kooperiert hat kollaboriert.
00:15:49: Aber es war eben nicht ganz Frankreich besetzt, gab ja den unbesetzten Teil und alle die Angst vor den Deutschen hatten verhaftet zu werden auch die politischen Flüchtlinge natürlich die versuchten natürlich in den unbesetzten Teil zu gelangen.
00:16:06: Es war für Juden sehr gefährlich in Frankreich, entweder mussten sie hoffen dass sie eben eine Einreisegenehmigung für irgendein anderes Land kriegen und mussten es schaffen nach Lissabon zu kommen oder aber sie lebten in Verstecken unter falschen Namen.
00:16:22: das war eine für alle verfolgte Zeit der totalen Unsicherheit.
00:16:29: Unsicher ist es für jüdische Menschen nicht nur im besetzten Norden Frankreichs.
00:16:34: Bei der Verfolgung von Juden und Jüdinnen kooperiert die Vischierregierung im Süden mit den Nationalsozialisten, und erlässt antisemitische Maßnahmen.
00:16:45: Bald werden in ganz Frankreich jüdliche Menschen entrechtet und enteignet – wie zuvor schon in Deutschland!
00:16:52: Ab forty-neunzehntig beginnen dann die Deportation in die Vernichtungslager in Osteuropa.
00:17:03: Also seit man das mit Eugen Salomon herausgefunden hat, waren so große Fragezeichen bei mir.
00:17:07: Man muss es doch noch mehr Menschen geben die eine Verbindung zu Mainz.
00:17:10: nur fünf haben.
00:17:11: Gerade weil man weiß, Mainz gab's ne große jüdische Gemeinde, die um die drei tausend Leute groß war.
00:17:16: Die waren in der Gesellschaft verankert und das war mein großer Antrieb damals nachzugucken ob es noch mehr Personen gibt die da eine Verbindung zu haben.
00:17:25: Man kann nicht genau sagen was mit den Wannen, die aus dem Verein ausgeschlossen wurden.
00:17:30: Eben weil es keine Listen gibt und keine Unterlagen dazu gibt von meinen Elften, die ich gefunden habe.
00:17:36: Neben Eugen Salomon hat ungefähr die Hälfte überlebt indem sie rechtzeitig flüchten können, hauptsächlich nach Amerika, Kuba.
00:17:43: Und die andere Hälfe wurde mit dem ersten Deportationszug der aus Mainz in Richtung Ostpoln nach Piachski abging dann dorthin deportiert und sind dort
00:17:53: gestorben.
00:17:57: Jetzt geht es Jüdinnen und Juden im Sport nicht mehr anders als in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen.
00:18:03: Nehmen wir das Beispiel von Julius Hirsch, einem deutschen Fußball-Nationalspieler wirklich früher einem Star eigentlich seiner Zeit einen der gefeigerten Helden, der wird deportiert von Karlsruhe von seinem Wohnort nach Auschwitz.
00:18:16: Das letzte Lebenszeichen was er aussendet ist dann in Dortmund wo er den Zug wechseln muss sendet er nochmal eine Postkarte an seine Familie, sendet Grüße an seine Tochter zum Geburtstag Und er wird also wahrscheinlich direkt nach seiner Ankunft in Auschwitz sofort umgebracht.
00:18:31: Eugen Salomon ist ein weiteres Beispiel dafür, wir sind in ganz finsteren besonderen Zeiten und niemand achtet mehr auf diese Person und sie können eben deportiert werden, umgebracht werden.
00:18:41: das löst nirgendwo mehr irgendwelche besondere Aufmerksamkeit
00:18:45: aus.".
00:18:46: Die Familie Salomon lebt nach der Evakuierung aus Lodringen im Zentral Frankreich.
00:18:52: Eugen war dann der einzige von der Familie, der offensichtlich in Frankreich gefasst wurde.
00:18:59: Während seine Frau und seinen beiden Söhnen damals versteckt wurden und nicht gefasst wurden aber den restlichen Krieg unter sehr schweren Bedingungen überstanden immer in der Gefahr verhaftet zu werden.
00:19:16: Aber Eugeln kamen nach Transi, dieses Sammellager bei Paris-Transit.
00:19:21: Das war der Sammelort für die Juden, die in Frankreich also verhaftelt wurden und von dort aus wurden sie dann in Züge gesetzt und nach Auschwitz deportiert.
00:19:34: Dann gibt es eben dieses Dokument Eugen Salomon geboren am fünften März, Dann am sechsten November, auswitzdeportiert.
00:19:47: Dort ermordet am vierzehnten November, also schon kurz nach der Ankunft.
00:20:05: Ich habe zu sehr vielen jüdischen Familien in Mainz geforscht und das berührt einen immer wieder.
00:20:11: Wenn man erfährt ein bestimmtes Familienmitglied hat ihm nicht überlebt sondern wurde ermordelt.
00:20:17: Das ist natürlich immer ... Auch wenn man die Menschen nicht gekannt hat, ist das ein sehr schmerzlicher Moment.
00:20:25: Je länger ich dazu geforscht habe, desto weniger verstehe ich wie anderen Menschen so was antun können.
00:20:32: Es ist nicht so dass man dann denkt irgendwann weiß man alles und versteht es.
00:20:39: Ich versteh's immer weniger.
00:20:41: Es entsetzt mich immer mehr wie mit anderen Menschen umgehen können sich einfach umzubringen brutal und kalt,
00:20:51: herzig.
00:21:01: Die beschäftigen schon so tausend Fragen auch wie du eben gefragt hast was war für Mensch?
00:21:05: Was für eine Verbindung hatte er im Verein?
00:21:09: Wen kannte er?
00:21:09: Was waren vielleicht seine Freunde, seine Spezies mit den Leuten mit denen er viel zu tun hat, seine sozialen Kontakte.
00:21:14: aber das sind leider Themen die werden wir wahrscheinlich nie herausfinden außer es taucht nochmal irgendeine Quelle auf wo Briefe oder persönliche Schriftstücke überliefert wären.
00:21:25: Was man aber weiß und auch so aus seiner Biografie oder Widerschließen lassen könnte, dass er ein sehr untriebiger Mann war.
00:21:31: Also schon, der wollte immer sich selbst verwirklichen.
00:21:34: Er gründete ja auch an jeder Station wo er gelebt hat in einem eigenes Unternehmen, versuchte auch sein Geld zu verdienen und seine Familie zu ernähren.
00:21:42: Und ich glaube das ist schon eine Eigenschaft, dass es auch ein umtriegebiere Mensch war, ein sehr engagierter Mensch war Aus der schlechtesten Situation das Beste zu machen und das wissen wir auch mittlerweile, weil ein Brief aufgetaucht ist von ihm, den er kurz vor seiner Departition nach Auschwitz an seine Familie noch mal geschrieben hat.
00:22:02: Selbst in dem Moment versprüht er immer noch so'n bisschen Hoffnung dass er seine Familie auch nochmal wieder sieht.
00:22:11: Ja dieser Brief den habe ich von meinem Cousin bekommen
00:22:14: Das ist Serge Salomon Der Enkel von Eugen Salomon
00:22:18: Den er wiederum Nach dem Tod meines Onkels in den Akten gefunden hat es so ganz beiläufig.
00:22:28: Den kann man nicht lesen, das ist
00:22:31: unvorstellbar.
00:22:40: Das schnürt einem die Gurgel zu was ein Dansi erlebt wurde.
00:22:48: Also wir wissen dass er verraten wurde.
00:22:54: Das muss auch von Bekannten gewesen sein.
00:22:56: der war ja in der Nähe von Limoges in der demigitalisierten Zone.
00:23:01: Da hat er auch schon wieder mehr oder weniger Geschäft gemacht, wobei er durfte kein Geschäft aufmachen.
00:23:07: Das war so ein Handel von aus zu aus.
00:23:11: Der ist verraten worden und dann von den Deutschen Dort abgeholt worden.
00:23:15: Und mit dem Zug von Poitiers nach Transi deportiert worden.
00:23:24: Er hat sich versteckt im Dachboden – das wissen wir!
00:23:28: Mein Vater hatte die Männern Ein Fahrrad zur Flucht noch eine Wand gestellt, aber das konnte er schon nicht mehr nehmen.
00:23:38: So ähnlich musste es zugegangen sein.
00:23:39: – ja!
00:23:43: Der ganze Währgang der Deportierung, die Etappen, die dazwischen waren und... ...die Grausamkeit des Krieges.
00:23:56: Ja, die Details, die dann so hoch kommen, die man vorher oder unser eins nicht gewusst hat.
00:24:05: Doch wir haben ja einiges gewusst, aber nicht in der Intensität.
00:24:10: Natürlich wussten wir das Konzentrationslager.
00:24:12: Ich war ja auch in der Jugend, in einigen Konzentrationslagern zu Besuch – ich war nie in Auschwitz!
00:24:23: Das macht was mit einem.
00:24:25: Ja... Ich glaube die Art wie unsere Eltern gelebt haben selber mitzukämpfen gehabt haben, mit der Aufarbeitung und dem Ertragen der Kriegsleiden sehr viel im Im Hintergrund passiert es, im Untergrund Inneren passiert ist.
00:24:53: Dass das auf die Kinder reflektiert hat, auf meine Schwester und mir.
00:24:57: Und dass wir auch darunter leiden und über viele Dinge gar nicht frei sind, die wir eigentlich normalerweise ein unbeschwertes Leben hätten.
00:25:08: Wo wir dann meinen, wir hätten dann vermeintlich ein unbechwertetes Leben.
00:25:12: und es war doch nicht so.
00:25:14: Wenn man dieses Ganze aufarbeitet... ...ist schon heftig!
00:25:20: Die Auswirkungen sind massiv, gesundheitlich, körperlich und geistig.
00:25:38: Das war die zweite Folge des Nullfünf Inside-Podcasts über Eugen Salomon.
00:25:44: Wie sich im deutschen Fußball eine Erinnerungskultur entwickelte.
00:25:48: hört ihr in Folge drei.
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