Podcast-Special: Eugen Salomon - Geschichte eines Nullfünfers I Folge 1
Shownotes
Wegbereiter, Präsident, Finanzier – all das war Eugen Salomon für Mainz 05. Mit nur 17 Jahren wird er kurz nach der Gründung des Vereins zum Präsidenten gewählt. Er ist einer von vielen jüdischen Menschen, die bis 1933 daran beteiligt waren, den Fußball in Deutschland groß zu machen. Für sie alle gab es im Fußball Freiräume und gesellschaftliche Anerkennung. Bis sich 1933 alles änderte, auch für Eugen Salomon.
Wie hat Eugen Salomon den Verein in seiner Anfangszeit geprägt? Wohin ging er mit seiner Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten – und warum dauerte es so lange, bis in Mainz an ihn erinnert wurde? Als 05 Inside-Special folgt der Podcast „Eugen Salomon – Geschichte eines Nullfünfers“ den Spuren des ersten Präsidenten von Mainz 05.
Folge 1 erzählt, wie sich Mainz 05 gründete und warum es gerade im Fußball für jüdische Menschen so viel Freiraum gab.
Mit Hedwig Brüchert, Nils Friedrich, Serge Salomon und Henry Wahlig. Produktion: Hanna Kopp Redaktion: Mike Dornhöfer und Thomas Schmidt Musik: Fabian Limberger und Hanna Kopp
Ein Angebot der VRM.
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00:00:05: Wir befinden uns jetzt an der Eugen-Salomon-Straße, mittig zwischen dem Stadion am Europakreisel und dem Europa-Kreisel.
00:00:14: Hier steht das Straßenschild, das an Eugen Salomon erinnert mit dem Hinweistext und viel Feldstrom rum.
00:00:25: Ich glaube schon dass viele ihn vom Namen her kennen auch vielleicht so sein Gesicht kennen von Fahnen, von Choreografien, auch von Vereinskommunikationen.
00:00:36: Viele auch wissen, was er vielleicht so im Groben in den Anfangstagen für Mainz V gemacht hat und wie auch sein Leben letztendlich geendet hat.
00:00:44: Aber sowas was dazwischen lag oder welche größere Bedeutung er für den Verein hatte das glaube ich wissen viele noch nicht.
00:00:52: Am Anfang war es eigentlich nur ein Namen der mit ein paar alten Erinnerungen verknüpft waren und daraus entwachsen ist ja viel
00:00:59: mehr.
00:01:13: Eugen Salomon Geschichte eines Null Fünvers.
00:01:23: Ein Nullfünf-Inside-Podcast von Hanna Kopp.
00:01:27: Folge eins.
00:01:32: Zwei Tausend Elf bekommt der erste FSV Mainz Null Fünf ein neues Stadion, es liegt am Stadtrand in mitten von Feldern.
00:01:41: Dorthin führt eine neu errichtete Straße.
00:01:44: Zunächst fehlt ja noch ein Name.
00:01:46: sie soll Arena Straße heißen doch zufrieden sind die Fans von Mainz null fünf damit nicht.
00:01:53: Eden schwebt ein anderer Straßenname vor einer der Zugehörigkeitschaft und verbindet.
00:02:01: Sie erinnern sich an einen Mann, der den Mainzer Fußballclub in seinen Anfangsjahren begleitet und geprägt hat – Eugen Salomon.
00:02:11: Sie setzen sich dafür ein, dass die Straße zum Stadion nach ihm benannt wird.
00:02:17: Genau so erzählt es Nils Friedrich, der am Anfang des Podcast zu hören war.
00:02:22: Seit mehr als twenty-fünf Jahren ist er Fan von Mainz.
00:02:26: Sein Steckenpferd ist die Vereinsgeschichte.
00:02:30: Über die hält er Vorträge und veröffentlicht sogenannte Fan-Siens, das sind gedruckte Magazine von Fans für
00:02:37: Fans.".
00:02:38: Als zehntelnd elf Fans der Verein und Stadtpolitiker, die Eugen Salomon Straße einweihen wird.
00:02:45: das zur Initialzündung sagt er.
00:02:49: Eugen Salomons Biografie wird recherchiert.
00:02:51: Kontakt zu seinen Angehörigen wird aufgebaut, seine Geschichte wird erzählt.
00:02:57: Es ist eine Geschichte die von der Euphorie um ein neues Spiel handelt und von Gemeinschaft.
00:03:03: es ist die Geschichte wie maßgeblich jüdische Menschen in Deutschland den Fußball prägen Und wie sie im Nationalsozialismus verfolgt, verraten und ermordet wurden.
00:03:15: Dieser Podcast erzählt als Nullfünf Inside Special die Geschichte von Eugen Salomon in drei Folgen.
00:03:23: Mein Name ist Serge Salomon, ich wohne hier im wunderschönen Bergischen Land bei Köln und bin der Enkel von Eugend Salomon.
00:03:35: Es ist ein Bedauern das ich ihn nie kennenlernen durfte.
00:03:38: Er ist eine Person, die ich bewundere.
00:03:40: Ich hoffe dir, dass ich ein bisschen was von ihm mitbekommen habe.
00:03:44: Wir haben zu Hause kaum über die Kriegsjahre gesprochen, zu wenig.
00:03:49: Weißten nur das von der Stadt irgendwann nach Mainz gegangen ist, dass Mainz Geschäft aufgemacht wurde, dass eine Tuchfabrik und Hemdfabriken in Santa Wold aufgemach worden sind, dass irgendwann die Flucht ja war.
00:04:01: Und so wohl für meine Schwester also auch für mich waren die ganze Geschichte, die Krieggeschichte mehr oder weniger weggedrückt unterdrückt.
00:04:11: Sie sind uns komplett vorbeigegangen als Kinder.
00:04:15: Sie wurde eigentlich, zw.
00:04:16: zwölf Neue geweckt als Hedwig Brüchert Kontakt mit uns aufgenommen hat und ansonsten ja von da an ging es eigentlich los mit dem Interesse an den Großvater.
00:04:30: Wir wussten er hatte mit Mainz Nr.
00:04:31: V zu tun.
00:04:32: Ja das war's dann auch schon.
00:04:35: Als Hedvik Brüichert zu uns kam War die Benennung der Straße Eugen-Salem Und das war schon längst hingang.
00:04:41: Da war das quasi schon gelaufen Ja, und wir haben nur noch gestaunt.
00:04:46: Wir sind quasi auf den Zug raufgesprungen.
00:04:54: Hallo Frau Brüchert, Hannah Kopp hier Alles glaube ich gleich.
00:05:13: Mein Name ist Hedwig Brüichert Ich bin Historikerin Und habe mich in den letzten dreißig Wir haben schon vierzig Jahre intensiv vor allen Dingen mit der Regionalgeschichte, mit der Mainzer Geschichte beschäftigt.
00:05:27: Mit dem neunzehnten zwanzigsten Jahrhundert und da eben auch intensiv mit der Geschichte der Mainz-Juden und ihrer Verfolgung dann in der NS
00:05:37: Zeit.".
00:05:38: In Hedwig Brüchards Wohnzimmer reichen die Bücherregale bis unter die Decke.
00:05:43: Mit den Vereinen für Sozialgeschichte hat sie auch zu Mainz Nr.
00:05:46: V geforscht.
00:05:48: Auf dem Tisch liegt eine Mappe mit Zeitungsartikeln, Briefen und Dokumenten.
00:05:53: Darauf steht Eugen Salomon.
00:05:58: Das war wahrscheinlich als das hundertjährige Bestehende des Vereins vorbereitet wurde.
00:06:05: Man war das dann, ja, nelzehnfünf also zweitausendfünfe, da wurde gefragt ob ich was über seinen Schicksal weiß denn es war relativ wenig bekannt über ihn.
00:06:19: Ja, dachte ich das musste rauszufinden sein und es hat mich dann interessiert.
00:06:24: Ich weiß nicht ob ich davor schon mal irgendwas über die Geschichte des von Mainz Nr.
00:06:28: V seiner Grundung gelesen hatte aber das hatte mich noch nicht so interessiert weil ich nicht so ein Sportfan bin.
00:06:36: Aber da hat mich der Ehrgeiz gepackt und jetzt wollte ich was herausfinden über die Lebensgeschichte von Eugen Salomon.
00:06:44: Als der Fußballverein sich nineteenhundertfünf gründete, war Mainz noch eine andere Stadt.
00:06:50: Na ja, also Mainz war um die Jahrhundertwende, ein bisschen kleiner als heute so dass sehr viele Leute sich kannten gegenseitig.
00:07:01: Es war nicht nur eine Arbeiterstadt, es war eine Stadt die geprägt war schon seit längerem einerseits von Handwerk und auch kleinere Industrie.
00:07:13: Dadurch eben auch eine aktive Arbeiterschaft.
00:07:16: Und es war also eine ganz gemischte Stadt.
00:07:20: Ja, es gab seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eben eine Liberale und eine orthodoxe Synagoge.
00:07:27: auf dem linken Rheinufer Wo auch meins liegt, war ja schon seit der napoleonischen Zeit waren die Juden gleichberechtigt.
00:07:36: Sie hatten dieselben staatsbürgerlichen Rechte.
00:07:38: Seit meins, achtzehn Jahre lang zu Frankreich gehörte das war völlig selbstverständlich.
00:07:45: sie waren sehr schnell seit dem frühen neunzehnten Jahrhundert hier In die Mainzer Gesellschaft reingewachsen, waren integriert und emanzipiert.
00:07:58: Das war ja nicht nur in Mainz, sondern überall in Deutschland.
00:08:01: Um
00:08:02: die Jahrhundertwende, um den Hundertrum haben sich sehr viele Vereine gegründet, also auch sehr viele Sportvereine.
00:08:10: Es gab etliche jüdische Mainzer, die dann diese Vereine gesponsert haben.
00:08:17: Sie gehörten einfach dazu und waren eben auch in allen Vereinen aktiv, und förderten diese Vereine.
00:08:24: So ist Mainz'n-Wilffuhr auch entstanden?
00:08:26: Ja.".
00:08:28: In genau dieser Zeit – also im neunzehnten Jahrhundert wird den England der Fußball erfunden!
00:08:33: Die Sportart fand dann ihren Weg nach Deutschland.
00:08:37: So erzählt es Henry Walig.
00:08:39: Er arbeitet im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund und hat intensiv zu den jüdischen Wurzeln im deutschen Fußball geforscht.
00:08:47: Der Mann, der den Fußball nach Deutschland gebracht hat.
00:08:49: Damit Sicherheit der wichtigste Fußballklinik, den wir in diesem Land haben ist Walter Bensemann eben auch jüdischer Herkunft, der als Schüler in Montreux in der Schweiz auf einem Internat war und da muss man sich das wohl wirklich so vorstellen dass dort auch englische Mitschüler waren und die ihm diesen Ball gezeigt haben.
00:09:06: und er hat diesen Ball dann mitgenommen und ist quer durch Süddeutschland gefahren und hat eigentlich ja man kann sagen jeden zweiten heute noch bekannten Club FC Bayern München, Stuttgarter KKS Eintracht Frankfurt.
00:09:18: In Karlsruhe in Straßburg, in Freiburg Klubs gegründet dort.
00:09:23: Um das Engagement jüdischer Menschen im Fußball zu verstehen muss man sich eine andere Bewegung anschauen.
00:09:30: Eine die zu dieser Zeit sehr populär war und auf einen Mann zurück ging
00:09:36: Dieser berühmte Turnvater Jan, der übrigens nebenbei auch wirklich ja zumindest sehr latent antisemitisch-rassistisch war.
00:09:43: Der hat Anfang des neunzehn Jahrhunderts die Idee des Turnens entwickelt und diese Bewegung ist eben zu diesem Zeitpunkt als der Sport nach Deutschland kommt immer noch die absolut dominierende Form im Bereich der Leibesübungen.
00:09:59: Es ging dabei vor allen Dingen immer um eine vormilitärische Ausbildung, in der möglichst viele Personen immer das Gleiche machen sollten.
00:10:09: Das hatte nichts mit Rekorden und Auszeichnungen zu tun.
00:10:12: Damals war Deutschland ja noch gar kein einheitliches Land.
00:10:14: Er wollte körperlich starke junge Männer heranziehen die als Soldaten, als starke Leute eben diesen Staat aufbauen können.
00:10:24: Diese Tourenbewegung lehnt den Fußball radikal ab.
00:10:28: Das Spiel galt als unmännlich, als undeutsch und ungelenk.
00:10:32: Für jüdische Menschen aber eröffnete es plötzlich neue Freiräume.
00:10:37: Dieser Bereich des Fußballs, der Sport sagen wir es mal allgemein.
00:10:41: Das war gesellschaftlich noch nicht festgeschrieben.
00:10:43: da waren nicht schon etablierte Eliten Da die gesagt haben ihr kommt hier nicht rein.
00:10:47: das war nämlich bei der turmbäwigung so.
00:10:48: Wir haben sehr sehr wenig Juden die dort überhaupt fuß fassen können.
00:10:52: Die wurden ausgegrenzt und Hier ist jetzt so dass juden eben sehr schnell nach vorne kommen können Und das ist bestimmt ein Faktor dafür Dass wir eben sehen können dass unter den Fußball pionieren die es in deutschland gegeben hat zu einem Absolut überproportional großen Anteil, genaue Zahlen haben wir nie wie immer das messen.
00:11:12: Aber wenn wir so in die Quellen gucken dann gibt es so viele Vereine in Deutschland die von Juden gegründet worden sind dass das also weit über den ein Prozent der Bevölkerung die Juden damals ausgemacht haben.
00:11:22: Ausmach Wir haben erfolgreiche Spieler Julius Hirsch Gottfried Fuchs zwei der ersten Nationalspieler überhaupt für Deutschland die jüdischer Herkunft waren, aber auch viele andere.
00:11:34: Wir haben klassische Funktionäre, die mehr so als Präsident und Medizin auftreten.
00:11:40: Aber wir haben auch ganz erfolgreiche jüdische Trainer, die aktiv sind.
00:11:45: Hier finden sie einen Gesellschaftsbereich, wo Sie eine gesellschaftliche Anerkennung finden können, der Ihnen in allermeisten anderen Feldern zu diesem Zeitpunkt nicht möglich
00:11:54: ist.".
00:11:59: In der Zeit, in der Fußball erfunden wurde wird Eugen Salomon geboren Nämlich, in Wörstadt.
00:12:07: Mit seiner Familie zieht er dann nach Mainz.
00:12:11: Als dort fünf Jahre später der erste Mainzer Fußballclub Hass Jannol V gegründet wird ist er siebzehn Jahre
00:12:18: alt.
00:12:20: an der Geschichte des Vereins und alles was rund um passiert ist, das hat mich schon immer interessiert weil es so ein bisschen auch zu meinem Fan da sein dazugehört hat.
00:12:26: Alles aufzusagen dadurch dass ich viele Sachen entdeckt habe die ich vorher nicht wusste und nicht kannte, hat natürlich mein Horizont schon auch erweitert.
00:12:35: Mein Wissen über den Verein auch erweitert und das natürlich schon wertvoll und auch irgendwie nochmal anders erkennen gelernt.
00:12:42: genau Wir stehen hier am Ende der großen Langgasse, dort wo das Gründungslokal von Mainz V war.
00:12:48: Das Café Neuf, wie es damals siehst und heute kennen wir die große Langgase sicherlich als eine sehr belebte Straße.
00:12:55: Das war damals ein kleiner Platz gewesen, wo dieses Lokal war.
00:13:00: Ich finde es eine besondere Örtlichkeit weil ja... Der Ort ist, wo alles angefangen hat.
00:13:07: Alles das was wir heute so gerne mögen an Mainz V und wo die acht Leute damals hier zusammen kamen an einem Abend.
00:13:16: Diese Gründungstruppe nennt sich zu Beginn das wilde Gebilde.
00:13:22: Eugen Salomon noch nicht dabei, das waren acht andere Männer die es an dem Tag gegründet haben.
00:13:27: Man liest noch im Sommer fünf als dann so die ersten Spiele gemacht wurden davon dass teilweise die Spieler die Regeln nicht kannten was sie da jetzt auf den Platz treiben mussten.
00:13:37: und das lässt auch ein bisschen vielleicht darauf schließen dass das alles noch Bilder war unorganisierter und da ist ja dann Eugen-Salomon der dieses wilde Gebilde in geregelte Bahnen lenkt oder zumindest versucht zu lenken.
00:13:51: Das war so im Herbst, da kam er ja dann zum Verein.
00:13:55: Wurde auch zum Vorsitzenden gewählt und das war der Moment wo er sich darum kümmert dass der Verein eine Satzung kriegt.
00:14:02: Die hatte ausgearbeitet, wohl gemerkt er war das siebzehn Jahre alt also noch relativ jung.
00:14:08: mit dieser Satzung die verabschiedet wurde konnte man sich endlich im süddeutschen Fußballverband anmelden was wiederum zur Folge hatte in ein Liga-System einkruppiert wurde.
00:14:18: Also alles, was davor sportlich passiert ist waren dann auch irgendwelche Freundschaftsspiele.
00:14:23: Im Sommer in den sechs Jahren ging es mit den Pflichtspielen, wenn man das so definieren wollte los.
00:14:29: Fußball hatte noch nicht so eine Popularität wie er erst Jahre später bekommen hat Und man hat auf verschiedensten Plätzen im Stadtgebiet gespielt.
00:14:37: Man hat auf dem Schlossplatz gespielt, man hat oben am Gautor gespielt und da hat man dann teilweise auch noch seine eigenen Tore hingetragen die aufgebaut.
00:14:45: das war wie gesagt noch relativ chaotisch in den ersten Jahren.
00:14:48: Und man hatte vor dem Krieg neunzehnhundertelf noch ein eigenes Stadion realisieren können einen eigenen Sportplatz mit einer kleinen Tribüne und man hatte das noch gar nicht richtig abbezahlt.
00:15:00: oder gegen der Erste Weltkrieg los der natürlich alles auf den Kopf gestellt hat, die Situation hier geändert hat.
00:15:05: Da wurde auch das Gelände, weil einfach kein Spielbetrieb mehr da war, umfunktioniert.
00:15:09: auf dem Feld wurde dann Kartoffeln oder Gemüse angebaut, um die Bevölkerung überhaupt zu versorgen und alles was irgendwie brennbar war, wurde damals abgebaut um halt dieses Holz zu schlichten ergreifen zu verheizen.
00:15:25: Er war ja nicht die ganzen Jahre über im Vereinsvorstand, er musste ja als er dann eingezogen wurde Zum Militär, noch im Kaiserreich.
00:15:34: Also kurz vor dem Ersten Weltkrieg musste er ja dann nach Lothringen was ja damals zum Deutschen Reich gehörte vor dem ersten Weltkrig also bis zum Ende des Ersten-Weltkriegs.
00:15:46: da war er in einer Kaserne in Lothlingen und leistete dort seinen Militairdienst ab und lernte dort seine spätere Frau kennen.
00:15:56: die waren nämlich aus einer jüdischen Familie in Lodringen ins Hand erwollt.
00:16:01: Er blieb dann auch nach Kriegsende zunächst noch dort, die haben im Krieg wohl noch geheiratet.
00:16:08: Und er hatte mit seinem Schwiegervater zusammen ein Textilgeschäft geführt.
00:16:14: und nach dem Messer-Jafridensvertrag gehörte Lodringen wieder zu Frankreich Und die Franzosen wollten dort keine deutschen Unternehmer.
00:16:26: Er war ja Textilkaufmann und dort tätig, die wollten keine deutschen Geschäftsleute haben.
00:16:32: Wer hatte in der Deutschen Armee gegen Frankreich gekämpft?
00:16:36: Da ging er zurück nach Mainz, nahm seine lotringische Frau mit.
00:16:41: Aber ihre beiden Kinder waren auch in Saundervolt geboren.
00:16:48: Ab den zwanziger Jahren findet man dann eben Eugen Salomon im Adressbuch, zuletzt unter der Bobstraße und die ganze Familie wohnte hier.
00:16:59: Und ab da hat er offensichtlich den Verein wieder gefördert.
00:17:05: Ja!
00:17:07: Eugen-Salomon hat unter anderem diesen Sportplatz mitfinanziert auch diese Tribüne zu großen Teilen wohl.
00:17:13: Nils Friedrich meint damit den Sportplatz und das ehemalige Stadion der Null Fünfer am Fort Bing.
00:17:20: Also dort, wo heute das Forum der Mainzau-Universität ist.
00:17:24: Eugen Salomon sagt er spielte für den Verein eine bedeutende Rolle.
00:17:31: Rückblickend eine ganz große, besondere auch weil er den Verein in den Anfangstagen eben schon so in Richtung bewegt hat.
00:17:39: geschubst hat er auch direkt wieder zum Verein gefunden hat, als er nach seiner Zeit in Frankreich zurückkam.
00:17:47: Also für ihn war das scheinbar immer so.
00:17:50: ein Punkt der wahrscheinlich auch mit Mainz und seine Heimat verknüpft war eben Engagement oder seine Beziehung zu dem Verein.
00:17:59: Erstmal hatte er gar kein so intensives offizielles Amt, sondern das kam dann erst mit den Jahren wo er wieder in Mainz sesshaft wurde und sich auch zur Wahl gestellt hat.
00:18:08: Nicht als Erster Vorsitzender wie er vor seinem Abschied aus Mainz aktiv war, sondern der Vorsitzende vom Spelausschuss.
00:18:15: Also wenn man es vielleicht mit einem Abend heute vergleichen müsste, so der Manager-Posten den er damals schon inne hatte.
00:18:20: Das spiegelt sich auch darin wieder.
00:18:21: Man sieht ihn sogar aus der damaligen Zeit immer mal wieder auf dem einen oder anderen Mannschaftsfoto mit auftauchen, wo er dann so patronenhaft, da muss ja dann doch relativ groß und auch ein bisschen stämmig gewesen sein, dann so mit auf dem Fotos steht, in einer zentralen Position dargestellt das ja schon darauf schließen lässt dass er eine gewisse Stellung damals in dem Verein hatte.
00:18:40: Hier sieht man es ganz gut.
00:18:43: Auf dem oberen Foto ist er in der Mitte.
00:18:47: Mit Hut steht er da, auch fein gekleidet mit Anzug und Fliege.
00:18:53: Wie es halt damals üblich war wie man auf dem Fußballplatz geht.
00:18:58: Und auf dem unteren Foto sieht man ihn ja auch an der Seite.
00:19:01: zwar stehen aber aufgrund seiner großen Statue schon eine wohl sehr eindruckliche Persönlichkeit.
00:19:10: Also erstmal habe ich Fotos gesehen.
00:19:13: Auf diesen Fotos habe ich festgestellt dass ich immer ein bisschen ähnlich bin.
00:19:17: Ansonsten habe ich ihn ja leider nie kennengelernt und man malt sich also einfach so ein Bild aus, wie ein Großvater sein könnte.
00:19:26: Ein kommunikativer, sehr kommunikativer Mensch.
00:19:30: Ein Lebensfroer.
00:19:33: Also Fußball begeistert war er nur von Grund auf Und ich glaube hat früh gespürt dass man da haus was größeres organisieren kann.
00:19:44: Ich denke mal das er ganz viele Leute mobilisieren konnte.
00:19:47: Das ist eine Ahnung Aber im Grunde kenne ich ihn gar nicht, aber ich bin froh, dass er es gegeben hat.
00:19:59: Ja nach dem ersten Weltkrieg war ja schon so ein gewisser Aufbruch auch sportlich gesehen.
00:20:04: im Fußball entwickelt der Verein sich in den nächsten Jahren dann eben selbst verwirklichen wollen mit einem eigenen Vereinsheim und hat seinen Mitgliedern auch unheimlich viel geboten indem man die verschiedensten Veranstaltungen über den Sport hinaus organisiert hat.
00:20:18: Dann steigen auch die Zuschauerzahlen rasant, also man findet am Ende der Zwanziger bis zu zehntausend elftausend Zuschauer in dem damaligen Stadion was enorm war weil teilweise auch die die Zuschau so bis ans Feld dran gestanden oder gesessen haben.
00:20:33: und man findet dann auch immer wieder Erwähnungen von Zuschauern die mit zur Auswärtsspielen reisen also mit eigens organisierten Sonderzügen oder Lkws wo sie dann einfach nur auf die Pritsche hinten draufgesprungen sind und dann losgefahren.
00:20:47: Der Verein hat schon so eine gewisse Popularität dann auch in Erfahrung das erste Mal.
00:21:00: Und ja, jetzt wird der Fußball zu einer Massenkultur wo eben Zehntausende von Menschen hinströmen.
00:21:07: Das ist nochmal Henry Walik, der zur deutschen Fußballgeschichte geforscht hat.
00:21:12: Ich denke man kann schon gut und gewissens die These wagen dass auch wenn es gewisse antisemitische Ausgrenzungen ... geben hat, dass wir aber schon bis ... ... von einer wirklich gelingenden Symbiose im Bereich des ... ... Fußballs strechen können.
00:21:28: Für viele Juden das glaube ich ein Kernelement ihrer ... ... Integration und ihre Asymilation war weil wir ja nicht wie in anderen Vereinen wo man vielleicht irgendwie einfach hingeht... ...und mal einmal im Jahr eine Mitgliederversammlung hat es hier ja einen ganz unmittelbaren direkten körperlichen Kontakt.
00:21:46: Man hat sich in den Armen genommen, man hat miteinander körperlich gespielt.
00:21:50: Also eine bessere Verbindung, eine Symbiose, dass man Teil der Gesellschaft ist, ist doch gar nicht vorstellbar und das glaube ich hat viele Juden sehr geprägt.
00:22:00: Das war glaube ich für Streben nach Integration in die Deutschen Mehrheitsgesellschaft ein ganz entscheidendes Element.
00:22:08: Ja, an unserer Dreiundreißig.
00:22:10: Es ist zweifelsohne der alles entscheidende Wendepunkt Und es muss, ich hab ja vorher gesagt das ist auch im Bereich des Fußballs schon so etwas wie Antisemitismus vorn.
00:22:20: unter- treiundreißig spürbar gewesen ist.
00:22:23: Das muss es eigentlich auch gewesen sein weil ansonsten diese radikale Wende um hundred ochzig Grad gar nicht erklärbar ist.
00:22:31: Ich glaube dass dort auch ganz viel opportunismus eigenes persönliches Machtstreben gewesen ist was es nicht besser macht Dass man dann eben seine Teamkameraden seine Freunde hat über die Klinge springen lassen.
00:22:52: Das war die erste Folge des NullFünfInside-Podcasts zu Eugen Salomon.
00:22:58: Wie seine Geschichte weitergeht, hört ihr in Folge zwei!
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